How can you tell so many lies and never feel bad about it…

So sitzen wir nun da, jeder für sich. Das Bier ist längst schal. Der Zigarettenqualm verwandelt den Raum in ein Dickicht aus Blau und Nebel. Durch das milchige Fenster dämmert der Morgen.

Früher haben wir so viel geredet – über Beziehungen, Arbeit , Studium, unsere Eltern und unsere Träume. Unsere gemeinsamen Träume. Träume von der Liebe, voll von Hoffnung und Naivität. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich mit euch zusammen niemals alleine den Gefahren der Welt entgegentreten muss und es sich gemeinsam leichter nach schönen Erinnerungen jagen läßt.

Jetzt sitzen wir da und schweigen.Wir sind müde, doch keiner von uns denkt daran ins Bett zu gehen. Keiner wird zurückgelassen. Wir waren wie Soldaten im Schützengraben: Alle oder keiner. So war das mal.

Meine Augenringe verraten mich. Ich zähle Zigaretten, ich rauche zuviel. Ich habe keine weisen Worte mehr übrig , keine Durchhalteparolen und keine gut gemeinten Ratschläge. Nichts mehr übrig für mich selbst. Ich stecke mit dem Kopf in einer Felsspalte zwischen Vermissen und Selbstachtung. Wir wissen, dass wir vor dem Ende stehen, und dass der Ast nach dem wir greifen, unerreichbar ist.

Es riecht nach Whiskey und Filterzigaretten. Das Ende eines Kapitels. Genauso bitter wie der Gin, den wir immer tranken. Wenn ich schlafe und wieder aufwache, fühlt sich alles unwirklich an, fern und unnahbar. Wie im Traum fremd und unwirklich. Doch die Wirklichkeit steht grimassenschneidend zwischen uns. Sie lacht mir ins Gesicht. Sie lacht laut und grinst und spuckt mich an.

Es ist so einfach zu vergessen was jemand zu einem gesagt hat und einem angetan hat ,aber zu vergessen wie man sich dabei gefühlt hat- das ist unmöglich.Und wenn es Morgen ist, kann ich nicht verzeihen. Wir sagen nichts und die Stille sagt alles über uns. Über unsere Ohnmacht, über unsere Angst, über uns. Abschied ist ein bisschen wie sterben. Die letzte Zigarette and everthing will be okay at the end.

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Nachrichten haben wir geschrieben. In 10 Monaten. Und ich wünschte, du würdest ein paar Häuser die Straße runter wohnen. Um mit dir zu sprechen, bräuchte ich nicht mal ein Telefon. Um dich zu sehen, bräuchte ich keine Webcam. Ich würde die Treppen hinunterspringen, durch den Hof an den Mülltonnen vorbeihüpfen und die schwere Holztür am Eingang aufschieben. Ein paar Eingänge weiter stünde dein Name am Klingelschild. Dein wunderschöner Name. Du würdst nachts betrunken Herzen an die Hauswand sprühen und jeden Morgen würde  ich sie mir ansehen und an dich denken. Jeden Morgen. Und jeden Abend, wenn du wieder nach Hause kämst.

Ich würde an deiner Tür klingeln. Du würdest über die Rufanlage fragen, wer denn um diese Zeit klingle. Du würdest die Antwort schon kennen – schon bevor du den Hörer abnehmen würdest wüsstest du es. Und du würdest lächeln. Das Surren des Schlosses wäre für mich das schönste Geräusch des Tages, und ich bekäme jedes Mal wieder Gänsehaut, bei jedem Knarren der hölzernen Treppenstufen hinauf in deine Wohnung. Oben angekommen, würdest du auf mich warten. Meinen Kopf würde ich in deinem Haar vergraben, während ich über deine weichen, warmen Schultern streichen und dich ganz und gar bei mir haben würde. Und für viele Sekunden würde ich dich nicht mehr loslassen. Und ich könnte dich berühren, deine Stimme hören und dein Lachen sehen. Deine Haut riechen und deine Gedanken lesen. Wir würden uns erkunden und erobern, überraschen und enttäuschen. Wir würden Sonntage auf der Couch verbringen, und Nächte in den U-Bahnen der Stadt. Wecker würden wir verschlafen und nebeneinander aufwachen. Ich wüsste wie deine Tränen schmecken und du wüsstest wie ich meinen Kaffee trinke. Wir würden uns ansehen und uns an den Händen halten – und ich würde dir Pancakes backen und du würdest mir Kakao machen. Wir hätten Zeit. Und ich würde dir so viel davon geben, wie es eben bräuchte.

Und du wärst die Sonne. Und mein doppelter Boden wäre überflüssig. Unantastbar, warm und voller Zuversicht. Vollkommen, schön – und im tiefsten Herzen nur für mich. Und ich wäre der Mond, nur nachts zu sehen. Mein Licht wäre fahler, schwächer – und doch ganz und gar dein. Und die schönsten Stunden wären die, an denen Sonne und Mond gemeinsam am Himmel zu sehen sind. Wir wären getaucht in silbergoldenes Licht und unsere Sekundenzeiger würden stehen bleiben. Die Welt würde den Atem anhalten, während wir tief Luft holen würden – bereit für alles was noch vor uns läge. Ich würde dich ansehen.

Und ich würde dich küssen und lieben.

Und ich wünschte, du würdest ein paar Häuser die Straße runter wohnen.