15463

Nachrichten haben wir geschrieben. In 10 Monaten. Und ich wünschte, du würdest ein paar Häuser die Straße runter wohnen. Um mit dir zu sprechen, bräuchte ich nicht mal ein Telefon. Um dich zu sehen, bräuchte ich keine Webcam. Ich würde die Treppen hinunterspringen, durch den Hof an den Mülltonnen vorbeihüpfen und die schwere Holztür am Eingang aufschieben. Ein paar Eingänge weiter stünde dein Name am Klingelschild. Dein wunderschöner Name. Du würdst nachts betrunken Herzen an die Hauswand sprühen und jeden Morgen würde  ich sie mir ansehen und an dich denken. Jeden Morgen. Und jeden Abend, wenn du wieder nach Hause kämst.

Ich würde an deiner Tür klingeln. Du würdest über die Rufanlage fragen, wer denn um diese Zeit klingle. Du würdest die Antwort schon kennen – schon bevor du den Hörer abnehmen würdest wüsstest du es. Und du würdest lächeln. Das Surren des Schlosses wäre für mich das schönste Geräusch des Tages, und ich bekäme jedes Mal wieder Gänsehaut, bei jedem Knarren der hölzernen Treppenstufen hinauf in deine Wohnung. Oben angekommen, würdest du auf mich warten. Meinen Kopf würde ich in deinem Haar vergraben, während ich über deine weichen, warmen Schultern streichen und dich ganz und gar bei mir haben würde. Und für viele Sekunden würde ich dich nicht mehr loslassen. Und ich könnte dich berühren, deine Stimme hören und dein Lachen sehen. Deine Haut riechen und deine Gedanken lesen. Wir würden uns erkunden und erobern, überraschen und enttäuschen. Wir würden Sonntage auf der Couch verbringen, und Nächte in den U-Bahnen der Stadt. Wecker würden wir verschlafen und nebeneinander aufwachen. Ich wüsste wie deine Tränen schmecken und du wüsstest wie ich meinen Kaffee trinke. Wir würden uns ansehen und uns an den Händen halten – und ich würde dir Pancakes backen und du würdest mir Kakao machen. Wir hätten Zeit. Und ich würde dir so viel davon geben, wie es eben bräuchte.

Und du wärst die Sonne. Und mein doppelter Boden wäre überflüssig. Unantastbar, warm und voller Zuversicht. Vollkommen, schön – und im tiefsten Herzen nur für mich. Und ich wäre der Mond, nur nachts zu sehen. Mein Licht wäre fahler, schwächer – und doch ganz und gar dein. Und die schönsten Stunden wären die, an denen Sonne und Mond gemeinsam am Himmel zu sehen sind. Wir wären getaucht in silbergoldenes Licht und unsere Sekundenzeiger würden stehen bleiben. Die Welt würde den Atem anhalten, während wir tief Luft holen würden – bereit für alles was noch vor uns läge. Ich würde dich ansehen.

Und ich würde dich küssen und lieben.

Und ich wünschte, du würdest ein paar Häuser die Straße runter wohnen.  

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